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Eines der größten aber fast „unbekannten“ Friseurproblem Nr.1 ist die Gefahr der Thrombose. Mein persönlicher Freund Dr. Christian Moerchel ist sozial engagiert  und u.a. in unserem Charity Golfclub Play for Life e.V ( welcher Intercoiffure Charity Deutschland e.V. und auch die internationale Arbeit von Education for Life unterstützt, Jugendwart und für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Insofern sind wir oft am gemeinschaftlichen diskutieren. Irgendwann kam dann das Gespräch auf den Friseurberuf. Sitzen oder Stehen – Was ist gefährlicher für die Thrombose?, war die Frage.

Er erzählte mir, dass gerade das Weltthrombosetag stattgefunden hatte. Der 13. Oktober ist der Geburtstag von Rudolf Virchow, der vor über 100 Jahren in Berlin maßgeblich zum Verständnis der Thrombose beigetragen hat und er wird seit 2014 als Weltthrombosetag gefeiert. Die tiefe Beinvenenthrombose oder Lungenembolie ist danach keine typische Alterserscheinung, sondern eine vermeidbare Erkrankung.

Eine Thrombose oder Lungenembolie kann jeden treffen und es gibt eine Reihe von prominenten Opfern. Gerhard Tötschinger, langjähriger Wegbegleiter von Christiane Hörbiger starb im Alter von 70 Jahren einer Lungenembolie.

Die bekannte Tennisspielerin Serena Williams, langjährige Weltranglistenerste, erlitt eine Thrombose und Lungenembolie. Auch der Bundestagsabgeordnete Philipp Mißfelder verstarb an einer Lungenembolie.

Eine tiefe Beinvenenthrombose oder Lungenembolie ist die Folge eines zufälligen Zusammentreffens mehrerer Risikofaktoren, wie mangelnde Bewegung, eine Veränderung der Blutgerinnung und eine Operation oder andere internistische Erkrankung. Viele weitere Faktoren wie Übergewicht, die Einnahme von Hormonen oder Zytostatika, Schwangerschaften oder entzündliche Darmerkrankungen können das individuelle Risiko für eine tiefe Beinvenenthrombose oder eine Lungenembolie beeinflussen.

Die effektivste Therapie der Thrombose und der Lungenembolie ist die Antikoagulation. Gerade damit aber haben viele Ärzte und Patienten ihre Probleme. Die klassische Antikoagulation mit Vitamin-K-Antagonisten erfordert eine engmaschige Kontrolle mit regelmäßigen Blutabnahmen, unterschiedlichen Tagesdosen  und  Einschränkungen bei bestimmten Lebensmitteln. Anders ist dies bei den neuentwickelten direkten oralen Antikoagulantien. Sie hemmen nicht in der Leber die Synthese von Gerinnungsfaktoren, sondern wirken direkt auf den Faktor II (Faktor zwei) oder den Faktor X (Faktor zehn) und bedürfen keiner regelmäßigen Gerinnungskontrolle.

Als diese Medikamente 2011 in Deutschland erstmals auf den Markt kamen war die Zurückhaltung groß. Sie waren teurer als die bisherigen Vitamin-K-Antagonisten und eine Antikoagulation ohne regelmäßige Kontrollen der Gerinnung wurde als gefährlich angesehen. Dies hat sich mittlerweile geändert.

Die deutschen Ärzte verordnen seit 2012 immer weniger Vitamin-K-Antagonisten und immer mehr der neuen direkten oralen Antikoagulantien. Wie die regelmäßig von den gesetzlichen Krankenkassen publizierte Listen über die verordneten Arzneimittel berichten (www.gkv-gamsi.de) ist dabei Rivaroxaban (Xarelto®) das mit weitem Abstand am häufigsten verordnete Medikament. Ärzte und Patienten vertrauen dem Sicherheitsprofil dieses Antikoagulans und schätzen die gut verträgliche und effektive gerinnungshemmende Wirkung. Rivaroxaban hat mehr als 100 Jahre nach dem Wirken von Rudolf Virchow die Therapie der tiefen Beinvenenthrombose und Lungenembolie revolutioniert und sicherer gemacht.       

     

Sitzen oder Stehen – Was ist gefährlicher für die Thrombose?

Diese Frage bekomme  ich aber auch oft von Kunden in unserem Salon „Jens Dagné Haare. Kosmetik . Wellness“in Worms“ gestellt. Ich habe mich deswegen schon viele Jahre mit den Auswirkungen des langen Stehens in meinem Beruf beschäftigt. Es gibt Untersuchungen zum potenziellen Zusammenhang zwischen körperlicher Arbeitsbelastung und langfristigen Krankschreibungen. So konnte eine dänische Studie mit 11.908 Lohnempfängern für die Jahre 2000 bis 2005 zeigen, dass, wenn man 25 Prozent oder mehr der gesamten Arbeitszeit in einer gebückten oder verdrehten Körperhaltung verbringt, das Risiko für eine langfristige Krankschreibung (mindestens 3 aufeinander folgenden Wochen) um das 1,6fache steigt. Hocken oder Knien steigert das Risiko um das 1,3fache. Auch wenn man dabei die Unterschiede im Alter, Geschlecht, psychosozialen Arbeitsumfeld, Lebensstil, Muskel-Skelett- und psychischen Störungen berücksichtigt, blieb dieser Zusammenhang bestehen (Andersen 2016).

Wiederum eine dänische Studie konnte zeigen, dass arbeitende Menschen, die potenziell länger in ergonomisch ungünstigen Positionen sitzen, im Vergleich zu Menschen mit einer dynamischen körperlichen Aktivität ein signifikant höheres Risiko für eine Lungenembolie haben (Suadicani 2012).

Schon 2005 hatte eine neuseeländische Arbeitsgruppe den Terminus SIT (seated immobility thromboembolism) für die mit dem Sitzen verbundene venöse Thromboembolien als eine neue lebensstilassoziierte Erkrankung des 21. Jahrhunderts beschrieben (Beasley 2005).

Eine stehende berufliche Belastung, wie sie für das Friseurhandwerk typisch ist, geht laut Literatur mit keinem erhöhten Risiko für thromboembolische Ereignisse einher, aber mit der Verschlechterung einer Varikosis (Krampfaderleiden). Natürlich ist die Varikosis eine in der Allgemeinbevölkerung häufige Erkrankung, die mit dem Alter zunimmt. Eine aktuell iranische Studie konnte aber zeigen, dass bei Friseurinnen, das lange Stehen das Risiko für eine Varikosis mehr als verdoppelt (Ebrahimi 2015). Eine englische Arbeit kam zu dem Ergebnis, das bei Friseuren im Alter von 45 Jahren oder jünger, die Häufigkeit der Varikosis in der eigenen Familie der wichtigste Risikofaktor für eine Varikosis ist. Bei Friseuren über 45 Jahre aber stehen die Auswirkungen der beruflichen Belastung im Vordergrund.

Friseure, die über 45 Jahre alt sind und mehr als 260 Stunden pro Monat stehend arbeiten, haben ein 32-fach erhöhtes Risiko für eine Varikosis. Friseurinnen, die mehr 30 Jahre stehend gearbeitet haben, ein 11-fach erhöhtes Risiko. Als Friseurunternehmer empfehle ich meinen Friseurinnen vor allem, so oft es möglich ist, sich auf einen Rollhocker zu setzen, insofern kann sich dann der Beruf stehend und sitzend abspielen.

Leider gibt es bis heute keine Therapie, eine  gefährliche Varikosis effektiv zu vermeiden.  Diejenigen, welche schon Krampfadern haben wären gut beraten, so Dr. Moerchel, auf Ihre Antibabypillen - Einnahme zu gunsten anderer Maßnahmen zu verzichten. Dazu kommt bei akuter Gefährdung natürlich das Tragen von Kompressionsstützstrümpfen. Zusätzlich ist eine sichere Vorbeugung gegen eine Varikosis auf alle Fälle das Abwechseln von Stehn und Sitzen im Berufsalltag. Das bewirkt, dass durch die Bewegung der Muskeln der Thrombose entgegengewirkt wird.

 

Weitere Infos dazu:

Medizinisch :

Dr. med. Christian Moerchel

Facharzt für Allgemeinmedizin

Obere Bogenstraße 10

55120 Mainz

Tel.  06131 68 10 49

http://golfclub-playforlife.de/der-vorstand

 

und

fachlich:

Jens Dagné

Gerhart-Hauptmann-Str. 64
67549 Worms-Leiselheim
Telefon (06241) 200 180
Telefax (06241) 200 1819

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Web: www.dagne.de

 
 

 

 

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