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Kirche

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Aussprache bei der Tagung über Magie, Hexerei, Dämonen und Befreiungsdienst - foto ekir
Magie, Hexerei, Dämonen und Befreiungsdienst. Die Herausforderungen angehen- Interkulturellen Austausch über Dämonen, Hexerei, Magie und Befreiungsdienst fördern - das liegt Ökumene-Professor Henning Wrogemann und Evangelisations-Spezialistin Claudia Währisch-Oblau am Herzen.

Ein Doppelinterview.

 

Hexenjagden in Nord-Sumatra, die Tötung von Albinos in Tansania und Hexereianklagen in schwarzafrikanischen Ländern: Woher kommt die Angst vor Hexen und Dämonen?

 

Währisch-Oblau: Wir müssen zunächst feststellen, dass Hexereianklagen, Besessenheit und der Befreiungsdienst (deliverance) in etlichen Mitgliedskirchen der Vereinten Evangelischen Mission, VEM, mittlerweile eine nicht geringe Rolle spielen. Dies gilt für Kirchen in Indonesien oder Sri Lanka ebenso wie solche im Kongo, in Kamerun oder Tansania. Kirchen suchen Antworten, wie sie mit diesen Phänomenen umgehen und gegen die Stigmatisierung von Menschen angehen können.

 

Wrogemann: In etlichen Gesellschaften suchen Menschen Erklärungen für ihre Leiden, seien es Konflikte, Krankheiten oder Armut. Irgendjemand muss, so die Ansicht, daran schuld sein. Da liegen Hexereianklagen nahe, wenn es sich um Gesellschaften mit medizinischer Unterversorgung, wirtschaftlichen Problemen oder in Kriegsgebieten handelt.

 

Kann man Hexenjagden entgegenwirken und wenn ja: wie? Was können die Kirchen tun?

 

Wrogemann: Sie können sich zuerst einmal über ihre jeweiligen Herausforderungen austauschen. Zu diesem Zweck wurde als Kooperation zwischen der Kirchlichen Hochschule Wuppertal / Bethel und der Vereinten Evangelischen Mission im vergangenen Herbst eine internationale Tagung zum Thema Magie, Hexerei, Dämonen und Befreiungsdienst abgehalten.

 

Währisch-Oblau: Es geht dabei um die Schnittfläche zwischen Wissenschaft und kirchlicher Praxis, damit sich beide Seiten befruchten. Neben den Experteninnen und Experten wurden zwölf Vertreter und Vertreterinnen aus kirchlichen Ausbildungseinrichten der VEM-Kirchen Afrikas und Asiens eingeladen. In einem anschließenden Workshop mit ihnen haben wir ein Curriculum entwickelt, das diese Ausbildungsstätten benutzen können, um ihre Studierenden auf die Praxis vor Ort vorzubereiten.

 

Wie laufen deliverance-Praktiken ab?

 

Währisch-Oblau: Das ist sehr unterschiedlich. Oft handelt es sich um exorzistische Gebete mit Handauflegung. So etwas kann manchmal Minuten, manchmal aber auch mehrere Stunden dauern, es kann im Privaten wie in öffentlichen Gottesdiensten geschehen.

 

Was ist so gefährlich an diesem Glauben?

 

Wrogemann: Gefährlich wird es, wenn Menschen, die als besessen oder als Hexen gelten, geschlagen werden, wenn Hexenkinder von Familien auf die Straße vertrieben oder Menschen sogar getötet werden. In manchen Gebieten kommt das auch unter Christen vor.

 

Bis zu welchem Maß ist denn für Sie der Glaube an Dämonen und Geister tolerierbar?

 

Währisch-Oblau: Für mich ist die Frage, ob es Dämonen oder Geister „gibt“, ziemlich unwichtig. Entscheidend ist jedoch, dass Menschen in anderen kulturellen Kontexten an ihre Existenz glauben. Es nützt dann nichts, zu sagen, dass es keine Dämonen gibt oder Hexerei Aberglaube ist, denn die Menschen leben in und mit diesen Vorstellungen, und das hat sehr reale Auswirkungen. Und damit müssen wir umgehen, auch interkulturell, denn wir gehören doch alle zur Kirche Jesu Christi.

 

Wrogemann: Wir arbeiten gemeinsam daran, von den biblischen Grundlagen her seelsorgerische und rituelle Formen zu entwickeln, die den Hexereianklagen entgegenwirken. Dazu braucht es einen interkulturellen Verständigungsprozess, zu dem die Tagung ein erster gelungener Schritt ist, dem in der Kooperation zwischen VEM, Kirchlichen Hochschule Wuppertal / Bethel und den Partnerinstitutionen in Afrika und Asien weitere Schritte folgen werden. Workshops in Afrika und Asien sind angedacht.

 

Wenn der Glaube an Dämonen in Afrika so „normal“ ist, wie sieht die Lage in Deutschland aus?

 

Währisch-Oblau: Dämonenglaube und Exorzismen kommen regelmäßig auch in Migrantengemeinden in Deutschland vor und sind auch bei deutschen nicht ganz so ausgestorben, wie viele meinen. Die kulturelle Vielfalt von Gemeinden in Deutschland nimmt immer mehr zu.

 

Wrogemann: Deshalb auch wurden in die Workshops in Wuppertal auch Vertreterinnen und Vertreter aus Gemeinden und Arbeitsstellen sowie Theologiestudierende eingeladen, denn die Herausforderungen bleiben ja nicht vor unserer Haustür stehen.

 

Professor Dr. Henning Wrogemann ist Professor für Missions- und Religionswissenschaft und Ökumenik an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal / Bethel

 

Pastorin Dr. Claudia Währisch-Oblau ist Leiterin der Abteilung Evangelisation bei der Vereinten Evangelischen Mission (VEM)

 

Evangelische Kirche im Rheinland
Hans-Böckler-Straße 7, 40476 Düsseldorf,

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